Milizen mit Erfolgsmeldung

Regierung will Polizeikräfte im Kampf gegen Kurden massiv aufrüsten

Kevin Hoffmann, Istanbul

Nachdem bereits vor einigen Tagen die Führung der kurdischen »Volksverteidigungskräfte« (HPG) die Bilanz ihrer militärischen Aktionen vorgestellt hatte (jW berichtete), haben nun auch die »Zivilen Verteidigungseinheiten« (YPS) und deren »Frauenverteidigungseinheiten« (YPJ) ihren Kampfbericht veröffentlicht, der den Widerstand aus 15 kurdischen Städten dokumentiert.

In den Stadtmilizen hatten sich vor allem Jugendliche aus den kurdischen Städten im Südosten der Türkei militärisch organisiert, um diese Orte gegen Aktionen von Armee und Polizei zu schützen sowie um die ausgerufene demokratische Autonomie der kurdischen Städte zu verteidigen. Dem Bericht zufolge haben die kurdischen Einheiten den türkischen Verbänden in den Kämpfen erhebliche Verluste zugefügt: 2.218 Polizisten und Soldaten sollen getötet und 690 weitere verletzt worden sein, zwei Einsatzkräfte wurden gefangengenommen, 457 Militärfahrzeuge zerstört und 307 beschädigt, 65 Aufklärungsdrohnen abgeschossen, und ein Kampfhubschrauber soll beschädigt worden sein. Die eigenen Verluste bezifferte die Miliz mit 363 toten, 15 verletzten und 16 gefangengenommenen Kämpfern. Die Zahl der getöteten Zivilisten wird mit 298 angegeben. Hinzugezählt werden müssen allerdings noch die zivilen Opfer der Massaker, welche die türkischen Truppen begingen, nachdem sich die YPS-Milizen zum Schutz der Zivilbevölkerung aus Orten wie Cizre, Nusaybin und der Altstadt von Diyabakir zurückgezogen hatten (jW berichtete). Es sollen außerdem große Mengen Munition erbeutet worden sein.

Parallel zu den Erfolgsberichten der kurdischen Milizen der letzten Tage fordert die Regierung in Ankara eine massive Aufrüstung der Polizei und ihrer Sondereinheiten. Laut staatlicher Nachrichtenagentur Anadolu bestätigte Innenminister Efkan Ala die Aufrüstungspläne: Die Polizei soll die schweren Waffen bekommen, die sie brauche. Er hob hervor, dass die Regierung künftig ein »Gleichgewicht der Kräfte« zwischen Polizei und Armee schaffen wolle, um in Zukunft Militärputsche zu verhindern.

Als Reaktion auf den Putschversuch vor zwei Wochen wolle man zudem wichtige Regierungsgebäude in der Hauptstadt Ankara besser schützen, so Präsidentensprecher Ibrahim Kalin. Man wolle Abwehrsysteme gegen Luftangriffe auf dem Präsidentenpalast, dem Gebäude des Ministerpräsidenten und dem Parlamentsgebäude installieren. Am 15. Juli war unter anderem das Parlamentsgebäude von Putschisten bombardiert worden.

https://www.jungewelt.de/2016/07-30/032.php

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