Seite an Seite im Irak

PKK-Einheiten und Peschmerga kämpfen gemeinsam gegen »Islamischen Staat«

Von Kevin Hoffmann, Istanbul

Vor einigen Tagen hat der irakische Parlamentsabgeordnete und Parteivorsitzende der Irakischen Turkmenenfront (ITC), Erset Salihi, großes Aufsehen erregt. Wie verschiedene irakische Nachrichtenagenturen, unter anderem Basnews, berichteten, forderte Salihi den sofortigen Abzug der zur Arbeiterpartei Kurdistans PKK gehörenden Guerillaeinheiten der Volksverteidigungskräfte HPG aus der Stadt Kirkuk. Er bezeichnete die Guerilla als Besatzungsmacht und setzte sie als Terrororganisation mit der Dschihadistenmiliz »Islamischer Staat« (IS) gleich. Gleichzeitig verteidigt die ITC den Einmarsch der Türkei in Syrien und die Präsenz türkischer Soldaten im irakisch-kurdischen Autonomiegebiet. Seit ihrer Gründung 1995 wird die ITC von der türkischen Regierung unterstützt.

Am vergangenen Montag widersprach der Frontkommandant der Peschmerga-Einheiten in Kirkuk, Westa Resul, auf einer Pressekonferenz den Anschuldigungen Salihis vehement. Laut Resul befinde sich die kurdische Guerilla auf Bitte von Necmettin Kerim, des Gouverneurs von Kirkuk, vor Ort, um gemeinsam mit den Peschmerga-Einheiten gegen den IS zu kämpfen.

»Diese Person, die im Namen der Türkei spricht, verunglimpft die PKK als Terrororganisation und deren Mitglieder als Barbaren. Es muss absolut klar sein, dass niemand das Recht hat, sie so zu denunzieren. Sie ist eine legitime kurdische Organisation, und ihre Guerilla ist eine legitime kurdische Verteidigungskraft«, so Resul laut der kurdischen Nachrichtenagentur ANF. Er wies auch darauf hin, dass selbst der irakische Premierminister Haidar Al-Abadi die Mitglieder der kurdischen Guerilla als »Helden im Kampf gegen den IS« bezeichnet habe. Zudem sei die Behauptung Salihis absurd, dass die Ortschaften Duzxurmatu und Dakuk von der HPG besetzt worden seien. Zwischen diesen Orten befänden sich schätzungsweise 50.000 Peschmerga. »Wie sollte die Guerilla dort eine Invasion vollziehen«, fragte Resul rhetorisch.

Auch das Maxmur-Kirkuk-Kommando der HPG äußerte sich in einer Mitteilung zu den Anschuldigungen. »Es mag sein, dass einige Kräfte unsere Bewegung nicht in diesen Gebieten haben wollen, aber wir nehmen solche Erklärungen nicht ernst. Jeder sollte wissen, dass wir die Pflicht, unser Volk zu verteidigen, überall wahrnehmen werden. Wir brauchen dazu keine Erlaubnis von irgend jemandem«, heißt es dort. Auch die HPG bestätigten, dass sie von der autonomen Region Kurdistan und der dort lebenden Bevölkerung um Hilfe gerufen worden seien. Laut ANF beendete das Guerillakommando die Erklärung mit den Worten: »Wir wollen, dass jeder weiß, dass wir den Kampf gegen die Feinde der Völker Kurdistans bis zum Ende fortführen werden. Dabei stehen wir in denselben Gräben mit der Peschmerga.« Manche mögen die HPG nicht an dem Ort haben wollen, aber dies sei Kurdistan, und die Guerilla sei die legitime Verteidigungskraft Kurdistans.

Während des höchsten islamischen Feiertags, des Opferfests, wurden die Guerillaeinheiten der PKK von zahlreichen Einwohnern Kirkuks und Repräsentanten von zivilgesellschaftlichen Organisationen und der Frauen- und Jugendbewegung besucht. ANF berichtete, dass die Einwohner der Stadt der Miliz für ihren Kampf vor Ort dankten und gemeinsam mit ihr das Opferfest begingen.

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur ANHA werden sich auch Einheiten der HPG an der Befreiung der Millionenstadt Mossul beteiligen. Laut dem Bericht will die Guerilla gemeinsam mit jesidischen Einheiten an der Operation teilnehmen. Laut ANHA hat der PKK-Kommandeur Agid Klari bereits im März 4.000 Kämpfern für die Befreiung der irakischen Millionenstadt in Aussicht gestellt.

https://www.jungewelt.de/2016/09-22/028.php

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