Waffen für die YPG

USA erwägen erstmals, kurdische Volksverteidungseinheiten direkt mit Waffen zu versorgen

Von Kevin Hoffmann, Istanbul

Laut einem Artikel der New York Times vom Mittwoch diskutieren die USA, erstmals direkt Waffen an die kurdischen Verteidigungseinheiten YPG und die Fraueneinheiten YPJ zu liefern. Der Zeitung zufolge werde der Plan zur Zeit vom Nationalen Sicherheitsrat geprüft und beraten. Aus dem Weißen Haus gibt es bisher keinen offiziellen Kommentar zu den Plänen.

Konkret sieht der Plan, welcher dem Bericht zufolge vom US-Zentralkommando des Pentagons (Centcom) entworfen wurde, die Lieferung von leichten Waffen, dazugehöriger Munition und anderer Vorräte an die syrischen Kurden vor. Explizit ausgenommen sind demnach schwere Waffen wie Flugabwehr- und panzerbrechende Waffen. Die YPG hatte in der Vergangenheit mehrfach darauf hingewiesen, dass es gerade diese schweren Waffen seien, die für den Kampf gegen den »Islamischen Staat« (IS) und andere islamistische Milizen gebraucht werden, da diese durch die Einnahme zahlreicher irakischer und syrischer Militärstützpunkte sowie Waffenlieferungen aus dem Ausland bestens ausgerüstet seien. Ein schnelleres Vordringen der kurdischen und mit ihnen verbündeten arabischen Milizen scheitert demnach vor allem am Fehlen schwerer Waffen.

Die direkte Bewaffnung der kurdischen Kämpfer wäre eine entscheidende Wende in der Syrien-Politik der USA. Zwar haben die USA in den vergangenen zwei Jahren bereits indirekt die YPG mit leichten Waffen versorgt, indem sie Waffen an die mit ihnen verbündeten arabischen Milizen geliefert haben, welche Teil des Bündnisses »Demokratische Kräfte Syriens« sind. Unmittelbare Waffenlieferungen wären jedoch etwas Neues. Bisher haben die Vereinigten Staaten laut amerikanischem Militärkommando im Irak diese arabischen Milizen in 350 Fällen aus der Luft oder vom Boden aus mit Waffen versorgt. Hinzu kommen Ausbildung durch amerikanische Militärangehörige in den von der YPG kontrollierten Gebieten sowie die massive Unterstützung durch Luftangriffe.

Als Ziel dieser möglichen taktischen Wende in der Politik der USA nennt die New York Times einen baldmöglichen Vorstoß auf Rakka. Die USA wollen die »Hauptstadt« des IS noch vor Ende der Amtszeit von Präsident Obama befreien. Den Vorschlag des türkischen Präsidenten Erdogan, Rakka in einer gemeinsamen ­Operation der Türkei und der USA zu befreien, spielten diese herunter, mit dem Hinweis, man sei gerade auf der Suche nach Kräften, welche diese Offensive am Boden ausführen könnten. Für das US-Militärkommando sind die kurdischen Kämpfer die effektivste Kraft gegen die Dschihadisten in Syrien.

Eines ist zumindest klar: Sollten sich die USA tatsächlich entscheiden, die YPG direkt mit Waffen auszustatten, wird das zu massiven Spannungen mit dem NATO-Partner Türkei führen. Die Regierung in Ankara sieht in den YPG eine Terrororganisation, welche genauso zu bekämpfen ist wie der IS, den man freilich heimlich gefördert hat. Ankara will die YPG-Miliz daran hindern, ein zusammenhängendes Gebiet entlang der türkischen Grenze unter ihre Kontrolle zu bringen.

Hinzu kommt allerdings auch, dass der Marsch auf Rakka schwieriger wird, weil die kurdischen Kämpfer zunehmend misstrauisch gegenüber dem US-Militär eingestellt sind – vor allem seitdem die Vereinigten Staaten den Einmarsch türkischer Truppen in Syrien und die Besetzung der Stadt Dscharabulus unterstützen. Letzten Freitag erst bestätigte ein Sprecher des Pentagons, dass rund drei Dutzend Angehörige amerikanischer Spezialkräfte abgestellt seien, um die türkischen Einheiten in der nordsyrischen Stadt zu »beraten«. Der Einmarsch türkischer Truppen in Syrien verzögere nach einer Mitteilung des US-Zentralkommandos die Befreiung von Rakka.

https://www.jungewelt.de/2016/09-23/030.php

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