»Wenn die YPG sagen, geht nach Rakka, dann gehen wir«

Internationalisten unterstützen die kurdischen Einheiten in Rojava. Gespräch mit einem englischsprachigen Kämpfer

Interview: Kevin Hoffmann, Istanbul

T. C. ist ein englischsprachiger Freiwilliger, der in Rojava in den Reihen des Internationalen Freiheitsbataillon (IFB) kämpft. Dort hat er sich mit anderen zur Bob-Crow-Brigade (BCB) zusammengeschlossen. Ihre Namen halten die Mitglieder geheim

Immer mehr Menschen aus verschiedenen Ländern schließen sich in Rojava dem Kampf gegen den »Islamischen Staat«, IS, an. Welche Motiva­tion hatten Sie, nach Kurdistan zu gehen?

Ich reagierte auf den Aufruf der Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei der Türkei und Kurdistans, MLKP, zu internationalen Brigaden – wie in der spanischen Revolution. Ich wäre mit meinen Genossen aus Großbritannien, mit denen ich hier bin, jedoch auch einem anderen Teil der YPG beigetreten, die wir als aufrichtige antifaschistische Kämpfer kennen und die eine Revolution mit weitreichenden Konsequenzen anstreben.

Wie sind Ihre Beziehungen zu den kurdischen Volksverteidigungseinheiten, YPG, und zum Internationalen Freiheitsbataillon, IFB?

Wir sind einige englischsprachige Freunde innerhalb des IFB, und das IFB wiederum ist ein Bataillon innerhalb der YPG. Es gibt keine Trennung. Wenn die YPG uns morgen sagen, geht ins nordsyrische Rakka, dann gehen wir. Wir wurden von den YPG ausgebildet. Das Projekt IFB wurde gegründet, um die linken Freiwilligen aus dem Ausland zusammenzubringen. So konnten wir voneinander lernen und zusammen kämpfen.

Wie begegnet Ihnen die Bevölkerung, und was denkt sie über Ihre Teilnahme am Kampf in Rojava?

In den großen Städten von Rojava, wie Kobani und Qamislo, wurden wir bei Veranstaltungen geehrt. Sie sehen uns ausländische Freiwillige als Beweis für die große Bedeutung ihrer Revolution. Sie freuen sich über die Tatsache, dass wir ganz normale Leute sind, welche ihre schlechtbezahlten Jobs verlassen haben, um hierher zu kommen. Rund um Rakka scheinen die arabischen Dorfbewohner bei allen Kontakten mit der YPG wirklich glücklich und kooperativ zu sein. Auch wenn wir ein Haus von ihnen auf Waffen überprüfen müssen, bieten sie uns Tee und Essen an, das bedeutet, dass sie die YPG anders sehen als eine reguläre Armee. Wie auch immer, einige von ihnen haben das Leben unter dem IS gemocht und unterstützen ihn immer noch, deshalb müssen wir vorsichtig sein.

Was sind Ihre Aufgaben?

Wir sind fast nur an der Front, da wir eine kämpfende, mobile Einheit sind. Der IS greift unsere aktuelle Position alle paar Monate an. Wir sind 50 Kilometer vor Rakka, und vor uns beginnt feindliches Territorium. Wenn die nächste Offensive beginnt, dann wird das IFB daran teilnehmen.

Die Öffentlichkeit in Deutschland hat mit Ivana Hoffmann das erste Mal von Internationalisten in Rojava gehört. Welche Bedeutung haben die gefallenen Genossinnen und Genossen für Sie?

Niemand von uns kannte sie persönlich. Wir denken aber, dass sie eine große Veränderung in der Beziehung zwischen der Linken im Westen und der Linken im Rest der Welt repräsentiert. Sie ist wie eine Brücke zwischen den beiden Teilen der Welt. Der konkrete Beweis, dass die gleichen Werte uns auf der ganzen Welt vereinen und überall nach ihnen gehandelt werden sollte.

Was können die Menschen in Deutschland zur Unterstützung Rojavas tun?

Man kann Druck aufbauen, um die Beziehungen Deutschlands zur Türkei zu beenden und um den Aufbau von formelleren Beziehungen zu Rojava mit Hilfe von Gewerkschaften und sozialen Einrichtungen voranzutreiben.

Woher kommt eigentlich Ihr Name Bob-Crow-Brigade?

Es ist Tradition, eine Brigade aus einem bestimmten Teil der Welt nach einer wichtigen lokalen Person zu benennen. Wir haben Bob Crow gewählt. Er war der Führer der britischen Transportgewerkschaft RMT während der Zeit ihres großen Wachstums und zunehmender Militanz. Statt einer historischen Figur wollten wir jemanden, der unsere Politik heute repräsentiert. Er starb 2014 und war eine große Figur der Linken, bekannt für seine offene marxistisch-leninistische Politik und die Ablehnung des »Blairismus« und der Sozialpartnerschaft.

https://www.jungewelt.de/2016/11-07/041.php

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