Endlich wieder in Freiheit

Syrien: Kurdische und arabische Kämpfer rücken auf Rakka vor

Kevin Hoffmann, Istanbul

Die »Syrischen Demokratischen Kräfte« (SDF) rücken immer weiter auf die von der Terrormiliz »Islamischer Staat« (IS) gehaltene Stadt Rakka vor. Mehr als 30.000 kurdische, arabische und christliche Kämpfer sollen laut Medienberichten an der am 5. November begonnenen Operation beteiligt sein. Diese trägt den Namen »Wut des Euphrat«. Laut der kurdisch-syrischen Nachrichtenagentur ANHA konnten die aus zwei Richtungen vorrückenden SDF-Einheiten nach viertägigen Kämpfen am Mittwoch bis auf rund 25 Kilometer an die Stadtgrenze vorrücken. Den Kämpfern sollen bei ihrem Vormarsch zahlreiche flüchtende Zivilisten aus den vom IS besetzten Gebieten entgegengekommen sein.

Die Sprecherin der SDF für die Operation zur Befreiung Rakkas, Dschihan Ahmad, berichtete auf einer Pressekonferenz in der nordsyrischen Stadt Ain Aissa am Dienstag, dass die Operation nach Plan verlaufe. Sie befinde sich in ihrer ersten Phase, welche die Umzingelung Rakkas zum Ziel habe, so Ahmad. In der zweiten Phase wolle man dann die Stadt von der Herrschaft des IS befreien und damit dessen Ende in Syrien einläuten. Laut dem auf der Konferenz vorgelegten Bericht über die Kämpfe versucht der IS vor allem durch Selbstmordanschläge und mittels mit Sprengstoff beladenen Autos und Landminen das Vordringen der SDF zu verhindern. Bewohner der befreiten Dörfer berichteten der kurdischen Nachrichtenagentur ANF von den Grausamkeiten des IS und wie froh sie seien, nun endlich wieder in Freiheit leben zu können. »Wir wussten immer, dass ihr kommen würdet«, erklärte ein Mann gegenüber den Kämpfern.

Das Magazin Al-Monitor berichtete am Montag, dass die USA die Opera­tion der SDF nicht nur durch koordinierte Luftschläge unterstützen, sondern auch rund 50 militärische Berater der US-Armee in der kurdisch geprägten Region Rojava im Norden Syriens seien, um die Operation am Boden zu koordinieren. Die faschistische türkische Zeitung Yeni Safak schrieb gar von großen Waffenlieferungen der USA an die SDF und die kurdischen »Volksverteidigungseinheiten« YPG, die Teil des Bündnisses sind. Dabei solle es sich nicht nur um Munition und leichte Waffen, sondern auch um panzerbrechende Raketen handeln.

Der Sprecher des Pentagons, Peter Cook, begrüßte die Operation. »Es ist eine große Chance, den Krebs des IS zu besiegen, indem seine selbsternannte Hauptstadt befreit wird. Jetzt machen die SDF große Fortschritte, deshalb werden wir sie weiter unterstützen«, erklärte Cook laut ANHA am Dienstag. Auf die Frage nach den Differenzen zwischen den SDF und der Türkei, welche beide von den USA unterstützt werden, sagte Cook, dass man jeden unterstützen werde, der gegen den IS kämpfe.

Gleichwohl besuchte der US-amerikanische General Joseph Francis Dunford parallel zum Beginn der Opera­tion »Wut des Euphrat« am Sonntag die Türkei, um sich mit dem Generalstabschef Hulusi Akar zu treffen. Nach dem Treffen veröffentlichte das Pentagon eine Erklärung auf seiner Homepage. Man sei mit der Türkei auf der Suche nach einer lang anhaltenden Lösung für die Befreiung und Verwaltung von Rakka. »Wir wussten immer, dass die SDF nicht die richtige Lösung sind, um Rakka zu halten und zu regieren«, so Dunford. »Wir arbeiten jetzt gerade daran, eine richtige Mischung an Kräften für diese Aufgabe zu finden.« Der General betonte zugleich, dass noch vor einem Jahr nur wenige hundert arabische Kämpfer in den SDF vertreten gewesen seien, heute sollen es mehr als 12.000 sein. Die SDF also allein als eine kurdische Kraft zu bezeichnen, sei falsch.

Parallel zu den Entwicklungen bei Rakka, berichtete ANHA, habe die Türkei ihre Besatzungskräfte in Nordsyrien aufgestockt. Zahlreiche türkische Panzer und Militärtransporter würden von der Türkei aus über Dscharabulus in das 20 Kilometer weiter südlich gelegene Dorf Darbis verlegt, hieß es laut lokalen Quellen. Damit verlegt Ankara weitere schwere Waffen in die Nähe der von den SDF befreiten Stadt Manbidsch.

http://www.jungewelt.de/artikel/297030.endlich-wieder-in-freiheit.html

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