Türkisches Bombardement

Ankara tötet US-Amerikaner und Deutschen bei Luftangriff nahe Manbidsch in Nordsyrien

Von Kevin Hoffmann, Istanbul

Sie sind die ersten internationalen Freiwilligen an der Seite der kurdischen Kräfte in Syrien, die nicht durch den »Islamischen Staat« (IS) getötet wurden, sondern durch einen Angriff des NATO-Landes Türkei. Laut einer Erklärung des Militärrats von Manbidsch (MMC) vom vergangenen Mittwoch kamen Michael Israel und Anton Leschek am 24. November bei einem nächtlichen Bombardement auf eine Stellung der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) westlich der nordsyrischen Stadt Manbidsch um Leben. Michael Israel stammte aus Kalifor­nien und war in dem kurdischen Gebiet Rojava unter dem Namen Robin Agiri bekannt. Er soll sich seit Juli 2016 am Kampf um Manbidsch beteiligt haben. Der aus Bielefeld stammende Anton Leschek, bekannt als »Zana Ciwan«, soll den Kräften des MMC im September 2016 beigetreten sein.

In einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung der kurdischen »Vereinigung der Solidarität und Einheit der Völker« wird Israel als libertärer Sozialist und Aktivist der Gewerkschaft Industrial Workers of the World (IWW) bezeichnet. Er sei zweimal nach Rojava gereist, um sich am dortigen Befreiungskampf zu beteiligen. Bei seinem ersten Aufenthalt in Rojava soll er sich dem Internationalen Freiheitsbataillon (IFB) angeschlossen haben, dessen Abzeichen er in einem kurzen Videointerview aus dem Sommer 2015 trägt. In dem Film nennt er als Motivation, sich an die Seite der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) zu stellen unter anderem, dass diese einen realen Kampf gegen den »IS-Faschismus« führten. Außerdem wolle er den Widerstand »gegen den Kapitalismus und den türkischen Imperialismus in der Region« unterstützen

Über den aus Deutschland stammenden Anton Leschek ist bisher wenig bekannt. In einem vom MMC veröffentlichten Video ruft er zur Unterstützung des kurdischen Widerstands auf. »Öffnet eure Augen, schaut was hier für ein Leid passiert und nehmt euch ein Herz und unterstützt diese Bewegung, denn das ist die einzig wirklich demokratische Kraft im Nahen Osten.«

Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Ulla ­Jelpke, kritisierte am Donnerstag den türkischen Angriff als völkerrechtswidrig. Jelpke sprach den Angehörigen ihr Beileid aus und forderte gleichzeitig die Bundesregierung auf, endlich ihr Schweigen zur fortdauernden Aggression der Türkei gegen die kurdischen Kräfte und ihre Verbündeten in Nordsyrien zu beenden. »Schon die Vorstellung, dass die Zieldaten für den Angriff auf Lescheks Einheit von deutschen Aufklärungs-Tornados stammen könnten, ist grauenhaft. Die Bundeswehr muss sofort aus Incirlik abgezogen werden!« erklärte Jelpke.

Ein Stellungnahme der Türkei oder der Bundesregierung liegen bisher nicht vor. Ebenso ist unklar, ob der Tod von Leschek Ermittlungen der deutschen Staatsanwaltschaft wegen Tötung eines deutschen Staatsbürgers im Ausland nach sich ziehen werden. Nach dem Tod der Duisburgerin Ivana Hoffmann im März 2015 war dies der Fall gewesen. Folgen hatten diese Ermittlungen indes keine.

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