Russlands Botschafter ermordet

Anschlag auf Diplomaten in türkischer Hauptstadt Ankara

Von Kevin Hoffmann, Istanbul
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Türkische Soldaten tragen am Dienstag in Ankara den Sarg des russischen Botschafters Andrej Karlow zum Flugzeug, in dem er in die Heimat überführt wurde

In der türkischen Hauptstadt Ankara ist am Montag abend der russische Botschafter Andrej Karlow erschossen worden. Während der Diplomat eine Rede zur Eröffnung einer Fotoausstellung im Zentrum für Moderne Kunst hielt, feuerte ein Angreifer mehrere Schüsse auf ihn ab. Ein Video des niederländischen Fernsehsenders NOS zeigt, wie Karlow in den Rücken getroffen wurde. Anschließend ist zu sehen, wie der Schütze weitere Schüsse auf den Botschafter und in die Luft abgibt sowie Parolen ruft. Die libanesische Tageszeitung Al-Akhbar zitierte den Attentäter mit den Worten, er habe Mohammed geschworen, den »Dschihad« zu führen. »Vergessen Sie Syrien nicht, vergessen Sie Aleppo nicht!« Alle, die an dem dortigen Unrecht teilnähmen, würden »zur Rechenschaft gezogen, einer nach dem anderen«.

Karlow wurde in ein Krankenhaus gebracht, erlag dort jedoch noch am Abend seinen Verletzungen. Neben dem Diplomaten wurden nach Angaben des türkischen Innenministeriums bei dem Anschlag drei weitere Menschen verletzt.

Rund 15 Minuten nach den Schüssen auf den Botschafter soll der Täter von Spezialeinheiten der türkischen Polizei bei der Stürmung des Gebäudes erschossen worden sein, berichtete Hürriyet. Nach Angaben von Innenminister Süleyman Soylu soll es sich bei ihm um den 22jährigen Mevlut Mert Altintas gehandelt haben. Er war ein Beamter der Bereitschaftspolizei in Ankara und hatte sich mit seinem Polizeiausweis Zugang zu der Ausstellung verschafft, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Die Tageszeitung Habertürk meldete, er sei nach dem Putschversuch vom 15. Juli wegen mutmaßlicher Verbindungen zur Bewegung des im US-Exil lebenden Predigers Fetullah Gülen aus dem Polizeidienst entlassen worden.

Noch in der Nacht zu Dienstag wurden sieben Verwandte des Attentäters festgenommen. Anadolu meldete zudem, dass eine gemeinsame türkisch-russische Ermittlungskommission gegründet werde, um die Hintergründe der Tat zu ermitteln. Dazu seien am Dienstag bereits russische Ermittler nach Ankara geflogen. »Russland wird das nicht ungestraft lassen. Wer auch immer an dieser Tat beteiligt ist, wird dafür bezahlen«, kündigte der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew an. Dagegen feierte die faschistische Zeitung Yeni Akit den Attentäter in einem Onlineartikel als »Märtyrer«.

https://www.jungewelt.de/2016/12-21/008.php

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