Interview mit der Bob Crow Brigade in Rojava

Young Struggle Ausgabe November/Dezember 2016

1) Stellt doch zuerst euch und eure Motivation in Rojava zu kämpfen vor
Dieses Interview findet mit R.K., T.C. und G.O. – aus Schottland, Irland und England statt. Unser durchschnittliches Alter ist 28. Wir alle wollten unabhängig voneinander am Kampf in Rojava teilnehmen und kamen zusammen, als wir uns online oder hier in den Ausbildunglagern trafen. Wir wollten dem Internationalen Freiheitsbataillon (IFB) als Sozialisten beitreten und reagierten damit auf den Aufruf der MLKP (Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei der Türkei/Kurdistans) nach einer internationalen Brigade wie in der spanischen Revolution. Wir wären jedoch auch einem anderen Teil der YPG beigetreten, in welchem wir einen aufrichtigen antifaschistischen Kampf und eine Revolution mit weitreichenden Konsequenzen sehen. Der Kampf, den Kapitalismus und den Imperialismus zu überwinden, ist heute mehr denn je ein Kampf um Leben und Tod, für das Überleben auf unserer Welt, deshalb muss die Linke auch wieder in den Kategorien von Leben und Tod denken. In dem die Bob Crow Brigade und das Internationale Freiheitsbataillon den Kampf um Leben und Tod hier umarmt, hoffen wir, dass die Linke in einem anderen Licht gesehen wird und auch ihre eigene Sichtweise ändern wird.



2) Warum habt ihr euch Bob Crow Brigade gennant? Wer war er? Wie ist eure Beziehung zum IFB und zur YPG?
Wir sind einige englisschsprachige Freunde innerhalb des IFB und das IFB ist ein Bataillon innerhalb der YPG. Es gibt keine Trennung zwischen ihnen. Wenn die YPG uns morgen sagt, geht nach Rakka, dann gehen wir. Wir wurden von der YPG ausgebildet und haben einige Zeit in einem YPG Bataillon verbracht, genauso wie im IFB. Das Projekt des IFB wurde gegründet, um die linken Freiwilligen aus dem Ausland zu koordinieren, da es sehr viele von ihnen gab. So konnten wir gegenseitig von einander lernen und zusammen kämpfen. Das soll nicht heißen, dass die YPG nicht selber links ist. Die YPG sagt selber offen, dass sie eine sozialistische Bewegung ist und das es ihre Bestimmung ist mit dem amerikanischen Imperialismus in Konflikt zu kommen. Aber in einer normalen YPG Einheit zum Beispiel gibt es keine tägliche politische Bildung und Diskussionen, wie es im IFB der Fall ist und es gibt auch nicht die Beziehungen zu internationalen Bewegungen, wie solche, die unsere Freiwilligen mitbringen. Die Idee uns selber “Bob Crow Brigade” zu nennen, war zunächst nur um zu kommunizieren, dass Menschen aus unserem Gebiet der Welt hier im IFB sind. Es ist eine Tradition eine Brigade aus einem bestimmten Teil der Welt nach einer wichtigen lokalen Person zu benennen, wie zum Beispiel in Spanien, die Abraham Lincoln Brigade aus Amerika. Wir haben Bob Crow gewählt. Er war der Führer der Gewerkschaft RMT während der Zeit ihres großen Wachstums und zunehmender Militanz. Statt einer historischen Figur wollten wir jemanden, der unsere Politik heute repräsentiert – und das ist definitiv Bob Crow. Er war eine große Figur der Linken, bekannt für seine offene marxistisch-leninistische Politik und die Ablehnung des „Blairismus“ und der Sozialpartnerschaft. Er zierte sich nicht mit Wörtern. Er war ein Arbeiter, machte Politik für die Arbeiterklasse, im Stil der Arbeiter. Die englischen Medien konnten das nicht akzeptieren und verleumdeten und diffamierten ihn dauerhaft. Und viele denken, dass der Umgang mit diesem dauerhaften Stress und den Belästigungen zu seinem frühen Tod 2014 führten. Wir liebten Bob und wir mögen es, dass nun wegen uns die Medien dazu gezwungen sind seinen Namen wieder auf ihre Seiten schreiben zu müssen, in einem Fall in dem sie ihn nicht kritisieren können.

3) Wie ist euer Verhalten und euer Kontakt mit den Einheimischen in Rojava? Was denken sie über Ihren Kampf in Rojava?


In den großen Städten von Rojava, wie Kobane und Qamislo wurden wir bei Veranstaltungen gefeiert und geehrt
, sie sehen uns ausländische Freiwillige als Beweis für die große Bedeutung ihrer Revolution. Sie freuen sich über die Tatsache, dass wir wirklich ganz normale Leute sind, welche ihre schlecht bezahlten, niedrigen Jobs verlassen haben um hier her zu kommen und bei ihnen zu sein. In Minbij waren die Menschen natürlich sehr glücklich darüber wieder frei von den Diktaten des IS zu sein. Der IS ist in den Städten tyrannisch, in den ländlichen Gebieten ist er ironischerweise mehr wie Guerillas und erzwingt nicht sein volles „mittelalterliches“ Programm. An der Rakka-Front scheinen die arabischen Dorfbewohner bei allen Kontakten mit der YPG wirklich glücklich und kooperativ zu sein. Auch wenn wir ein Haus von ihnen auf Waffen überprüfen müssen, bieten sie uns Tee und Essen an, das bedeutet, dass sie die YPG anders sehen als eine reguläre Armee. Wie auch immer, einige von ihnen haben das Leben unter dem IS gemocht und unterstützen ihn immer noch, deshalb müssen wir vorsichtig sein wegen möglichen Angriffen, welche hinter dem Rücken unseren eigenen Reihen unterstützt werden. Wir konnten diese offene Unterstützung nicht verstehen. Wir sagten zu unserem Kommandanten: „Können sie denn nicht wenigsten verstehen, dass der IS hier geschlagen ist und nicht zurückkommt?“. Er antwortete uns „Ja, aber Gott geht niemals.“. Zum Beispiel in unserer jetzigen Basis ist die gesamte Küche schwarz verbrannt. Die Einheit die vor uns hier war hatte Beziehungen zu einem örtlichen Dorfbewohner, der zum Tee vorbei kam und eines Tages hat er sich in dieser Küche in die Luft gesprengt.

4) Wie würdet ihr einen typischen Tag in eurer Brigade beschreiben?
Der Tag beginnt bereits in der Nacht, weil du eine Stunde Wachdienst irgendwann in der Zeit zwischen 21 Uhr und “rojbas” (Guten Morgen) um 5.30 Uhr machen musst. Um 6 Uhr ist Sport, Frühstück gibt es um 7 Uhr, mittags Mittagessen und Abendessen um 19 Uhr. Während des Tages werden wir einen weiteren Wachdienst haben, militärisches Training, informelle Diskussionen und offizielle Treffen, Diskussion der Politik im Bataillon oder allgemeinere Diskussionen. Das letzte politische Treffen welches wir hatten, war zum Thema Patriarchat und wie wir uns damit konfrontieren können. Männer und Frauen haben daran teilgenommen, aber es ist von den Männern initiiert worden. Hier gibt es das Verständnis, dass das Patriarchat eine tief sitzende Funktionsstörung der Gesellschaft ist, und das der Umgang damit alle mit einbezieht und nicht allein die Sorge der Frauen ist. Der Rest der Zeit wird für gemeinschaftliche Arbeit im Camp verwendet. Wir versuchen es so schön wie möglich zu machen, mit Decken und Kissen, auch wenn eine halbe Wand fehlt. Das passiert sehr oft, da wir uns viel bewegen – wir sind eine mobile Einheit. Es gibt auch andere spezielle Arbeiten welche rotieren, zum Beispiel Koch für einen Tag sein, Fahrer oder die Teilnahme an kleinen Missionen. Jeder übernimmt diese verschiedenen Arbeiten. Es gibt keine Ausnahmen wegen einem Rang. Nach dem Abendessen haben wir „tekmil“, eine Kritik- und Selbstkritik-Runde mit 5-10 Menschen. Dort können wir selber gemachte Fehler anerkennen oder auf Fehler anderer aufmerksam machen. Nachts haben wir ein oder zwei Lagerfeuer und meistens wird gesungen. Unsere Genossen singen viel, aber wir kennen leider nur wenige passende Lieder. Gelegentlich nutzen sie ein Autoradio um Musik zu spielen und dazu zu tanzen. Auch hier haben wir keine nationalen linken Tänze um sie zu tanzen, so dass wir bei ihnen mit tanzen. Wir haben auch Laptops und reichlich Zeit um alles, von Dokumentation über die Black Panthers bis zum neuesten Jurassic Park Film zu gucken (welcher übrigens sehr schlecht ist).

5) Was sind eure Aufgaben im Kampf? Wart ihr auch an der Front?
Wir sind fast nur an der Front, da wir eine kämpfende, mobile Einheit sind. Momentan haben sich die Pläne für eine neue Offensive, nach der Befreiung von Manbij, wegen der von der Türkei unterstützten Invasion geändert. Deshalb sind wir jetzt wieder an der Frontlinie in der Nähe zu Rakka. Wir schützen diese Position gegen die Angriffe des IS. 

Der IS greift unsere aktuelle Position alle paar Monate an. Wir sind 50 km vor Rakka und vor uns beginnt feindliches Territorium. Wenn die nächste Offensive beginnt, dann wird das IFB daran teilnehmen.



6) Die meisten Menschen in Deutschland haben mit Ivana Hoffmann das erste Mal von Internationalisten in Rojava gehört. Kanntet ihr sie? Welche Bedeutung haben die gefallenen Genossen für euch?
Niemand von uns kannte sie, aber Ivana Hoffmans 

Märtyrertum war für uns ein großes Ereignis, sowohl persönlich, um hier her zu kommen und gemeinsam mit ihrer Partei zu kämpfen, als auch allgemeiner. Wir denken, dass sie eine große Veränderung in der Beziehung zwischen der Linken im Westen und der Linken im Rest der Welt repräsentiert. Sie ist wie eine Brücke zwischen den beiden Teilen der Welt, der konkrete Beweis, dass die gleichen Werte uns auf der ganzen Welt vereinen und auf der ganzen Welt nach ihnen gehandelt werden sollte. Die Bedeutung, die wir den Märtyrern geben, und wir benutzen den Begriff Märtyrer bewusst, ist damit verbunden. „Märtyrertum“ ist ein von der westlichen Linken längst vergessenes, aber in allen modernen Kämpfen anderswo präsentes Konzept. Wir denken, dass es etwas ist, das wieder aufgenommen werden muss, um die moderne westliche, neoliberale Mentalität von Trägheit und Selbstsucht zu besiegen, die sagt: „Dein Leben ist viel zu Wichtig um es zu opfern oder auch nur zu riskieren „. Diese Unterstützung des Märtyrertum scheint vielleicht im Widerspruch zu dem Wert zu stehen, den Sozialisten jedem menschlichen Leben geben, aber wir schätzen ein Leben nicht, welches isoliert, nur im Dienste der eigenen Bedürfnisse gelebt wird. Die beste Art des Lebens ist die einer gemeinschaftlichen Haltung und Handlungen, welche anderen dient, entweder spezifisch oder allgemein und dabei eine bessere kollektive Gesellschaft bildet. Das Märtyrertum ist dann die perfekte Demonstration dieser Lebensweise und sollte dazu verwendet werden Menschen zu begeistern. Nicht nur, um direkt in die Fußstapfen der Märtyrer zu treten und sich einem bewaffneten Kampf anzuschließen, das können natürlich nur wenige Menschen tun, aber in alltäglichen Aufgaben, Bewegungsaufbau und ideologischer Entwicklung. Jeder progressive Mensch sollte Bilder von Menschen wie Che Guevara und Ivana Hoffmann an seinen Wänden haben.

7) Was ist Eure Meinung zu der türkischen Besatzung von Jerablus und der Rolle der USA?


Die Interventionen waren unvermeidlich. Der Widerstand der YPG in Kobane zwang die USA, den IS zu bekämpfen, sodass sie begannen, die YPG, zusammen mit vielen anderen Gruppen, zu unterstützen. Der rasche Fortschritt der YPG, nach der Schlacht von Kobane, bedeutete, dass die Türkei eingreifen musste um die Vereinigung der drei Gebiete von Rojava entlang der türkischen Grenze zu verhindern. Und nun spielt die YPG diese beiden Dinge gegeneinander aus: Die amerikanische Unterstützung gegen die türkische Feindseligkeit. Die amerikanische Unterstützung, welche sehr begrenzt ist, geht nicht über den IS hinaus. Dies ist ein Grund warum die Türkei versucht den IS loszuwerden, nachdem sie ihn zuvor unterstützt und gefördert hat. Im Endeffekt will Rojava weder etwas mit der Türkei, noch mit Amerika zu tun haben, aber gerade jetzt verlangt die Situation eine raffinierte Politik. Rojava muss versuchen, so viel wie möglich aus Amerika herauszuholen, während die Beziehung militärisch und politisch angesichts einer großen Gefahr andauert: der Türkei.

8) Was ist eure Meinung zu Russland und dem Assad Regime?

Rojava hat sicherlich keine auf die gleiche Weise feindliche Haltung gegenüber Assad, wie die Rebellen es haben. Rojava wurde mit der unblutigen Machtübertragung gegründet und hat erklärt, dass es ein Teil eines neuen Syrien sein wird und sich nicht abspaltet. Während die ersten Proteste, welche zum Aufstand führten, unterstützt wurden, traten die Kräfte in Rojava nicht der FSA bei und führten keine Angriffe gegen die Regierung. Die Rebellen wurden weitgehend als manipuliert oder als Agenten von äußeren Kräften betrachtet. Als sich der Krieg entwickelte und Assad sich die russische Unterstützung sicherte, ist er angriffslustiger gegen Rojava geworden und es sind mehr Konflikte aufgebrochen. Daraufhin hat die PYD (Partei der Demokratischen Union) erklärt, dass sie kein „neues Syrien“ unter Assad sehen und hat die Allianz SDF (Demokratische Kräfte Syriens) mit anderen arabischen Gruppen gegründet. Das dehnt ihren Einfluss über Rojava hinaus aus. Das nächste Ziel ist jedoch weiter die drei Kantone zu vereinen und Rojava bis zur Küste hin zu öffnen, doch auch dann wird Rojava nur ein kleiner Teil von Syrien sein. Es ist in gewisser Hinsicht bedauerlich, dass Assad ein Verbündeter Russlands ist, da es Russland daran gehindert hat mehr ein Verbündeter von Rojava zu sein, was deutlichere Kampflinien von Imperialismus und Anti-Imperialismus, der NATO und ihren Gegnern gezogen hätte. Es hätte Rojava in einem weniger komplizierten Licht erscheinen lassen, als dass es ein antikapitalistisches Projekt ist, welches gegenwärtig von Amerika, dem Führer des kapitalistischen Imperialismus, unterstützt wird. Gleichzeitig müssen wir revolutionär sein, dürfen uns nicht damit zufrieden geben, dass „der Feind Amerikas mein Freund“ ist. Denn es gibt eine Reihe von Feinden und eine Reihe von Freunden. Wir wählen Rojava auf einer anti-imperialistischen Basis. Was immer in Rojava passiert, wird eine große Auswirkung auf die kurdischen Regionen in der Türkei haben und was immer dort passiert wird eine große Wirkung auf das Schicksal der Revolution in der Türkei haben, welche die größte regionale Macht und ein zentraler NATO-Spieler ist.

9) Möchtet ihr auf einige Kritiken am Kampf in Rojava und die Rolle der Internationalisten reagieren?
Diese Kritiken kommen im wesentlichen aus drei Richtungen: der rechten, der pro-Assad Linken und von Ultra-Linken/Libertären. Die rechte Kritik ist die leerste. Ihr geht es darum, die sozialistische und egalitäre Politik der PYD und YPG und die Rolle der Kommunisten, Sozialisten und Anarchisten aus dem Ausland herunterzuspielen. Meistens kommt diese von verärgerten, ehemaligen ausländischen YPG Freiwilligen, welche nicht akzeptieren wollen, dass sie an einem sehr linken Kampf, welcher sich fundamental von der Teilnahme an der britischen oder amerikanischen Armee (Von welcher diese Menschen ausgeschlossen wurden) unterscheidet, beteiligt haben. Das ist sehr einfach zu entlarven: Die ideologische Ausbildung, welche die YPG jetzt allen Freiwilligen gibt, stellt den Kampf explizit in die sozialistische Tradition. Der YPG-Kommandeur welcher das Ausbildungszentrum für internationale Freiwillige führt, sagt, dass der Kampf antikapitalistisch ist und dazu bestimmt ist, in der Zukunft mit amerikanischen Interessen zu kollidieren. Die Idee, dass die Linke bei den internationalen Freiwilligen nicht überwiegt ist ebenso Unsinn. Die Natur dieses Kampfes hat dazu geführt, dass viele Freiwillige von außerhalb nach Rojava kommen, vor allem aus anderen Gebieten Kurdistans und von der türkischen Linken, die seit langem die kurdische Sache unterstützt. Die überwiegende Mehrheit der nicht-kurdischen Märtyrer stammt aus dieser Gruppe. Die PKK, die Schwesterpartei der PYD, ist seit dem 12. März 2016 in einer Allianz namens HBDH (Vereinigte Revolutionsbewegung der Völker) mit 10 türkischen kommunistischen Parteien und Gruppen für die Revolution in der Türkei. Die Beziehung zwischen der PYD, PKK und den offen kommunistischen Gruppen in der HBDH zu leugnen, ist eine sinnlose Übung.
Die Kritik der pro-Assad Linken bleibt bei einer vereinfachten „antiimperialistischen“ Position, die davon ausgeht, das Assad nicht unterstützt wird, Rojava Teil einer Anstrengung ist Assad zu stürzen und ihn durch eine pro-westliche Person zu ersetzen. Tatsächlich wurde Rojava sehr stark von der Anti-Assad Linken kritisiert, dass das nicht getan wurde und Rojava sich weigerte dem FSA Aufstand zu folgen, ohne die Kontrolle über die Rojava-Region zu sichern. Die Liste der Schauspieler welche Amerika statt Rojava unterstützen ist sehr lange, jetzt auch Assad und die Türkei – es ist unmöglich, dass es der Türkei erlaubt gewesen wäre in Jerablus ohne US-Genehmigung einzudringen. Ist es auf lange Sicht wirklich wahrscheinlich, dass Amerika ein Prototyp-Land von der Größe von Wales über seine regionalen Verbündeten Türkei und Barzanis Autonome Region Kurdistan (welche im Grunde ein amerikanisches Protektorat ist) bevorzugen wird? Sowohl die Türkei als auch Barzani engagieren sich für die Zerstörung von Rojava und beide sind weitaus größer als die amerikanischen Interessen. Rojava ist irrelevant dafür, wer Assad ersetzen wird, das wird die Wahl der Großmächte sein. Rojava könnte aber sehr relevant sein dafür, wie sich das neue Land entwickelt. Es hofft ein Leuchtfeuer der egalitären und progressiven Politik zu sein, welches mehr und mehr nicht-kurdische Regionen aus dem Einfluss des Zentrums und der imperialistischen Mächte in sein Konzept der Unabhängigkeit und „Selbstherrschaft“ ziehen wird. Das klingt nicht nach reinem Marxismus, aber es sollte für die Marxisten von Interesse sein, als die ersten Schritte einer demokratischen Revolution oder einer „bürgerlichen Revolution“, das heißt was Marx beschreibt, was vor einer sozialistische Revolution stattfinden kann.
Das bringt uns zur letzten Gruppe der Kritiker. Die Ultra-Linken und Liberalisten/Anarchisten, die Rojava, wie Gilles Dauvé, „entlarven“ wollen, haben sicherlich die längste Zeit damit verbracht, die offiziellen Aussagen und inoffiziellen Berichte zu betrachten und deshalb die interessantesten Punkte, mit einigen großen Mängel, auf Grund ihrer eigenen ideologischen Positionen. Sie arbeiten mit der Annahme, dass alle ausländischen Unterstützer naiv sind und wir nur einem offiziellen „Öcalan-gefärbten Blick“ auf das Projekt haben und wir alle bisherigen Überzeugungen und analytischen Fähigkeiten fallen lassen, sobald wir zur Unterstützung von Rojava handeln. Im Gegensatz zu den ersten beiden Gruppen bestreiten sie nicht, dass Rojava ein linkes Projekt ist, sondern leugnen, dass es sich um eine „Revolution“ handelt, weil das Proletariat nicht die Produktionsmittel in Besitz genommen hat (Was sich auf eine Ölraffinerie und eine Zementfabrik bezieht, die beide jetzt von der PYD kontrolliert werden). Nein, Rojava ist keine „volle kommunistische“ Revolution und das wurde nie behauptet. Es hat eine Umverteilung des Landes und die Gründung einer begrenzten Anzahl von Gemeinden und kooperativen Arbeitsplätzen als Pilotprojekte gegeben und es hat nicht eine Massenenteignung der lokalen Bourgeoisie gegeben, da es sich um relativ kleine Händler handelt, welche es zu tausenden gib. Rojava ist eine überwiegend agrarische Region, die auf grenzüberschreitenden Handel basiert. Es ist vollkommen wahr, dass in der demokratischen oder „bürgerlichen“ Revolution Elemente der lokalen Bourgeoisie eingebunden sind. Der Hinweis steckt im Namen. Nach Rojavas demokratischer Revolution beginnt nun der Klassenkampf innerhalb der Revolution. Eine offensichtliche Hauptaufgabe ist es, die Industrie und damit ein bedeutendes Proletariat zu schaffen! Natürlich, die Ultra-Linken akzeptieren keine Art von Zwischenstufen. Wenn es darum geht Lücken zwischen „Rethorik und Realität“ in allen ihrer genauen Punkte in einiger ihrer zugegebenermaßen schwindeligen pro-Rojava Literatur herauszustellen, akzeptieren die Ultra-Linken keine historischen Revolutionen als echte, mit Ausnahme von der spanischen Revolution, die natürlich besiegt wurde. Kurz gesagt, wenn das, was sie fordern, nie irgendwo passiert ist, ist es unwahrscheinlich, dass es hier in Rojava passiert. Diese dritte Gruppe beschäftigt sich nicht wirklich mit dem, wie eine Revolution in der modernen Ära aussehen könnte und wie man eine linke Analyse entwickelt. Sondern sie befürchtet, dass sich ihre eigene postmoderne Szene, die Rojavas Tugenden in den Bereichen direkte Demokratie, Autonomie, Ökologie und Feminismus unterstützt, mit verbotenen und unreinen Ideen, wie Unterstützung für Parteien, Revolutionsstufen, nationale Befreiung, Vorhut etc. infiziert. Persönlich begrüßen wir diese Infektion und sind sehr froh, diejenigen zu sehen, die mehr von der Rhetorik angezogen werden und hier hin kommen in die Realität des sozialistischen Kampfes. Um allen drei Kritikern eine zusammenfassende Antwort zu geben: Auch im schlimmsten Fall, indem die YPG, PYD, PKK und ihre verbündeten kommunistischen Parteien für sich und jeden Schritt des Weges gelogen haben und Rojava nicht um den Fragen des Imperialismus und des Kapitalismus wegen zu begegnen, war dies immer noch ein zweifelsohne legitimer antifaschistischer Kampf. Auch wenn sie den IWF, die NATO, die Türkei und andere nicht besiegen konnten, haben sie in manchen Bereichen haben ihre Autorität definitiv untergraben. Mit ihrer Teilnahme hat die Linke einen Schlüsselwert zurückgewonnen: das Vertrauen. Das Vertrauen in sich, den Individualismus und die kulturelle Isolation zu überwinden, um einen sinnvollen Internationalismus zu schaffen und im Vertrauen auf sich selbst zu handeln.

10) Wollt ihr zum Schluss noch etwas zu den Menschen in Deutschland sagen?
Die deutsche Linke und die deutschen Arbeiter sind mit diesem Konflikt auf Grund der Beziehung zwischen dem deutschen und dem türkischen Staat und der Drohung Erdogans mit einer Flüchtlingsflut, wenn er nicht seinen Weg bekommt, untrennbar verbunden. Das schafft Unterstützung für Rojava, das einzige Leuchtfeuer des Fortschritts und der Gleichheit in diesem Sumpf und der engagierteste Feind der Türkei, eine der aufrichtigsten Entscheidungen für euer Land, und mit Respekt sehen wir, dass die Mehrheit der linken Unterstützung tatsächlich aus Deutschland gekommen ist. Was nun geschehen könnte, ist Druck aufzubauen um die Beziehungen zur Türkei zu beenden und den Aufbau von formelleren Beziehungen zu Rojava mit Hilfe von Gewerkschaften und sozialen Einrichtungen aufzubauen.
Die Flüchtlingskrise erfordert jedoch komplexere Denkansätze, die wir bisher nicht gesehen haben, nicht nur in Deutschland. Weil wir über Deutschland sprechen, hier einige Besonderheiten: Der Aufstieg der AfD (und Bewegungen wie der AfD) kann nicht durch traditionelle „Antifa“-Aktivität bekämpft werden, da es sehr schwer ist, das Nazi-Label einfach an sie zu knüpfen und sie aus der politischen Arena zu schlagen. Slogans wie „Keine Grenzen“ und „Niemand ist Illegal“ reichen nicht für die Komplexität der Situation aus. Im Marxismus ging es nie darum, die Kutsche vor das Pferd zu stellen und einen Aspekt des vollen Kommunismus zu fordern, wie „ohne Grenzen“, bevor die Grundlagen gelegt wurden, was in diesem Fall der weltweite Sozialismus sein wäre! Die Bedenken die Arbeiter als rückschrittlich und reaktionär zu verurteilen, gerade weil sie Deutsche sind, wie die Antideutschen es zu tun scheinen, sind tatsächlich rückschrittlich und reaktionär. Obwohl es harte Arbeit sein wird, muss die Linke eine Zwei-Punkte-Politik annehmen, die den Imperialismus für die Schaffung von Flüchtlings- und Migrationskrisen, durch die Verarmung und Destabilisierung der Mehrheitswelt, angreift und gleichzeitig die Sorgen der Arbeiterklasse im eigenen Land bekämpft. Sie gegen den Imperialismus wendet. Wenn wir das mit uns selbst verknüpfen und in der Lage sind zu sagen: „Wir haben Freiwillige gesandt, um den IS zu bekämpfen“ bringt das die Linke in eine viel stärkere Position, um diese harte Arbeit zu tun. Es bedeutet, sagen zu können, ja, tatsächlich ist die Linke der Feind des Dschihadismus, der Feind des Todes. Das bringt die Kritiker zum Schweigen und ermutigt die Menschen. Abschließend vergeudet nicht eure Zeit mit dem neuesten Jurassic Park Film. Er ist wirklich sehr schlecht.

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