Feuerball am Terminal

Türkei: Selbstmordattentäter schießen am Atatürk-Flughafen in Istanbul um sich. 41 Menschen getötet und 239 verletzt

Von Kevin Hoffmann, Istanbul

Kurz vor 21 Uhr Ortszeit drangen am Dienstag abend drei Selbstmordattentäter in das internationale Terminal des Atatürk-Flughafens in Istanbul ein, schossen um sich und sprengten sich schließlich in die Luft. Nach Angaben vom Mittwoch nachmittag starben 41 Menschen, 239 wurden verletzt. Unter den Toten sollen sich zehn Ausländer befinden.

Medienberichten zufolge soll zuvor ein Polizist versucht haben, einen der Angreifer zu stoppen und zu durchsuchen. Dem Beamten sei aufgefallen, dass der Täter für die Temperaturen in Istanbul deutlich zu dick angezogen war. Als Reaktion darauf schossen mindestens zwei der Täter mit Schnellfeuergewehren um sich, drangen in den Wartebereich ein und sprengten sich in die Luft.

Auf einer Pressekonferenz am Tatort teilte Ministerpräsident Binali Yildirim am Mittwoch morgen mit, dass die Täter mit einem Taxi zum Flughafen gekommen seien. Nach Angaben des türkischen Regierungschefs soll es keinem der Attentäter gelungen sein, die Kontrollstellen an den Eingängen des Airports zu passieren. Videos von Überwachungskameras im Flughafen zeigen jedoch, dass mindestens einer von ihnen in die Ankunftshalle gelangte. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP ist auf den Aufnahmen zu sehen, wie einer der Attentäter im Terminalgebäude, offenbar getroffen vom Schuss eines Polizisten, zu Boden geht. Im Liegen zündet er dann seinen Sprengsatz. Bilder einer anderen Kamera zeigen einen riesigen Feuerball am Eingang des Terminals. Überall liegen Gepäck und Glasscherben auf dem blutbefleckten Boden.

Die Regierung verneinte sofort mögliche Fehler oder Versäumnisse der zuständigen Behörden. Am Tag vor dem Anschlag hatte die türkische Zeitung Aksam noch geschrieben, dass der Flughafen sicher vor Terrorangriffen sei. Unmittelbar nach dem Attentat wurde, wie bei vorherigen Anschlägen in der Türkei auch, ein Veröffentlichungsverbot erlassen, welches alle Berichte über den Anschlag, die Attentäter und mögliche Hintergründe in der Türkei untersagt. Ausgenommen davon sind lediglich die Pressemitteilungen der Regierung. Internetnutzer berichteten zudem, dass der Zugang zu Twitter und Facebook am späten Dienstag abend und am Mittwoch nicht möglich gewesen sei.

Bisher hat sich niemand zu dem Attentat bekannt. In türkischen Regierungskreisen geht man jedoch davon aus, dass es sich um eine Tat der Terrororganisation »Islamischer Staat« handle. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte am Mittwoch zwei namentlich nicht genannte »Terrorismusspezialisten der US-Regierung«, nach denen sich die Miliz selten zu den Attacken bekenne, da die Türkei eines der wichtigsten Transitländer der Organisation sei.

Alle im türkischen Parlament vertretenen Parteien nahmen mit deutlichen Worten zu dem Anschlag Stellung. In einer Erklärung der beiden Vorsitzenden der Demokratischen Partei der Völker (HDP), Figen Yüksekdag und Selahattin Demirtas, heißt es: »Wir verurteilen Terrorangriffe, die sich gegen Zivilisten richten. Es ist von großer Bedeutung, dass wir solidarisch sind und in der ganzen Region den Kampf gegen den IS führen, der Verbrechen gegen die Menschlichkeit begeht.« Gleichzeitig prangerten die HDP-Vorsitzenden in ihrem Statement an, dass Kräfte wie die türkische Regierungspartei AKP den IS nach wie vor unterstützten. Damit machten sie sich zu Mittätern bei solchen Terrorangriffen.

https://www.jungewelt.de/2016/06-30/001.php

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