HPG verstärkt Angriffe

Kurdische Einheiten weiten Aktionen gegen türkische Armee aus. Auch Kommunisten rufen zu den Waffen

Von Kevin Hoffmann, Istanbul

Nach dem Putschversuch von Teilen des türkischen Militärs und dem daraufhin verhängten dreimonatigen Ausnahmezustand nehmen die Angriffe der kurdischen Guerilla und mit ihr verbündeter Organisationen deutlich zu. Laut einem Bericht des Pressebüros der kurdischen Volksverteidigungskräfte (HPG) führten diese in der vergangenen Woche größere Aktionen in Hakkari, Bingöl, Sirnak und Dersim durch.

Am 29. Juli will die Guerilla drei Dörfer in der zu Hakkari gehörenden Region Semdinli unter ihre Kontrolle gebracht haben. Im Laufe des Tages haben die Kämpfer nach eigenen Angaben drei größere Militärkonvois der türkischen Armee angegriffen, wobei mehrere gepanzerte Militärfahrzeuge beschädigt und zahlreiche Soldaten getötet worden sein sollen. Als Reaktion darauf wurden die Gebiete mehr als 15 Stunden lang bombardiert, mit Artillerie und Hubschraubern beschossen. Ebenso wurden weitere Militäreinheiten nach Semdinli verlegt, die allerdings am 1. August wieder neuen Angriffen ausgesetzt waren. Bei dem von drei Richtungen ausgehenden Angriff der Guerilla wurden angeblich mehr als elf Soldaten getötet. Auch zwei Guerillakämpfer wurden bei den Aktionen getötet.

Am selben Tag gab es in der Stadt Bingöl einen Bombenanschlag auf einen gepanzerten Wagen der Polizei-Sondereinheiten, bei dem elf Polizisten getötet und sechs weitere verletzt wurden. Parallel zu den Angriffen der Guerilla verhängte das Militär über sechs Dörfer in Lice und Hani und den umliegenden Gegenden zeitlich unbegrenzte Ausgangssperren. In diesen Gebieten werden nun größere Operationen der türkischen Armee vermutet, so die kurdische Nachrichtenagentur ANF. In einem Live-Interview mit dem Fernsehsender CNN Türk bestätigte der ehemalige Generalstabsschef der Armee, Ilker Başbuğ, dass diese durch den Putschversuch und die folgenden »Säuberungen« massiv geschwächt ist. Başbuğ bezeichnete den Zustand der Armee als äußerst kritisch.

Auch die gemeinsame Kommandantur der »Vereinigten Revolutionsbewegung der Völker« (HBDH) gab in einer schriftlichen Erklärung weitere militärische Aktivitäten ihrer Einheiten bekannt. Die HBDH ist ein im März dieses Jahres gegründetes militärisches Bündnis aus neun illegalen kommunistischen Organisationen und der kurdischen Arbeiterpartei (PKK).

Laut der Erklärung haben die HB DH-Einheiten am 1. August den Militärstützpunkt in Hozat angegriffen. Dabei sollen mindestens drei Soldaten getötet worden sein. Außerdem halten die Kämpfer seit dem 15. Juli dauerhaft die Straße zwischen Dersim und Ovacik unter ihrer Kontrolle, führen Fahrzeugkontrollen durch und klären die Bevölkerung über ihre Ziele und die militärischen und politischen Entwicklungen auf.

In Erklärungen des Zentralkomitees der Marxistisch-Leninistischen Partei der Türkei und Kurdistans (MLKP) und der Kommunistischen Partei der Türkei (TKP/ML), die selbst Teil der HBDH sind, wird zum vereinten Kampf gegen die Erdogan-Regierung aufgerufen: Es gebe keinen anderen Weg als den Kampf gegen die Diktatur in allen möglichen Formen zu verstärken – den bewaffneten Kampf eingeschlossen.

https://www.jungewelt.de/2016/08-05/028.php

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