IS in der Defensive

Kurdische und jesidische Kämpfer rücken auf Islamisten in Rakka vor

Von Kevin Hoffmann, Istanbul

Nicht nur im Kampf um die Städte Mossul und die Region nördlich von Rakka finden zur Zeit Militäreinsätze gegen den »Islamischen Staat« (IS) statt. Auch im überwiegend von Jesiden bewohnten nordirakischen Schengalgebirge gehen die Verteidigungs- und Fraueneinheiten Schengals (YBS/YJS) gegen die Dschihadisten vor. Wie die kurdische Nachrichtenagentur Firat am Montag berichtete, begann die Offensive »Rache der jesidischen Frauen«, um die Dörfer um die Stadt Schengal zu befreien. Firat meldete, mehrere Dörfer seien eingenommen worden und würden nun von Minen geräumt.

Ebenfalls am Montag veröffentlichte das kurdisch-dominierte Militärbündnis Demokratische Kräfte Syriens (SDF) eine Bilanz der seit zehn Tagen laufenden Offensive »Wut des Euphrats«, deren Ziel die Umzingelung und Eroberung der syrischen Stadt Rakka ist. Laut der Nachrichtenagentur ANHA seien bisher 34 Dörfer, 31 Höfe und sieben strategisch wichtige Hügel von den SDF eingenommen worden. Mindestens 167 IS-Kämpfer seien getötet und vier gefangengenommen worden. Am Dienstag berichtete Firat bereits von der Rückkehr der Bewohner, die während der Gefechte geflohen waren.

Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) verkündeten zudem am Mittwoch, dass die Ausbildung von lokalen Widerstandseinheiten in der nordsyrischen Stadt Minbidsch abgeschlossen sei. Die YPG-Milizen könnten sich nun aus der Stadt zurückziehen, um sich der Offensive auf Rakka anzuschließen.

An diesem Einsatz nehmen laut einem Firat-Bericht von Sonntag auch Kämpfer des Internationalen Freiheitsbataillons (IFB) teil. Das IFB setzt sich aus Kommunisten, Sozialisten und Anarchisten aus aller Welt zusammen. In dem Report heißt es, die Kämpfer gingen davon aus, dass die Befreiung Rakkas nicht nur das Ende des IS bedeute, sondern dass damit »auch das Ende der faschistischen Diktatur« unter dem Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan in der Türkei eingeleitet würde. So erklärte Mahir Can Efe, Angehöriger der Vereinten Freiheitskräfte, gegenüber Firat, dass die Einnahme Rakkas für Erdogan unangenehm sein werde. Die laufende Offensive mache Ankara deswegen noch aggressiver. »Das oberste Ziel des türkischen Staates war es zu jeder Zeit, die Besatzung Rakkas durch den IS zu sichern, damit die Kantone von Rojava voneinander abgeschnitten bleiben«, sagte Efe.

Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete unterdessen am Sonntag, türkische Truppen seien gemeinsam mit Einheiten der »Freien Syrischen Armee« (FSA) in Richtung der Stadt Al-Bab vorgedrungen. Auch türkische Kampfjets sollen an den Gefechten um die Region beteiligt gewesen sein. Al-Bab liegt zwischen den beiden unter kurdischer Selbstverwaltung stehenden Kantonen Afrin und Cizire im Norden Syriens. Ein weiteres türkisches Vorrücken würde eine Verbindung zwischen diesen Gebieten verhindern.

https://www.jungewelt.de/2016/11-17/030.php

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