Angriff auf Kurden

Türkische Kampfflugzeuge und Panzer bombardieren Stellungen der SDF bei Manbidsch

Von Kevin Hoffmann, Istanbul

Seit mehreren Tagen bombardieren türkische Kampfflugzeuge und Panzer die Stellungen der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) in der Region um die nordsyrische Stadt Manbidsch. Laut der kurdischen Nachrichtenagentur Firat wurden allein am Dienstag sechs Zivilisten und vier SDF-Kämpfer getötet. Zwar seien die SDF den Luftangriffen ausgeliefert, doch gegen die türkischen Bodentruppen setzen sie sich erfolgreich zur Wehr, sagte der Kovorsitzende der kurdischen Partei der Demokratischen Union, Saleh Muslim, in der Mittwochausgabe von junge Welt. Ebenfalls am Mittwoch berichtete die syrisch-kurdische Nachrichtenagentur ANHA, dass in den vorherigen zwei Tagen drei türkische Panzer zerstört worden seien. Dabei soll auch eine große Anzahl von Kämpfern der mit der Türkei verbündeten FSA-Einheiten und von dschihadistischen Gruppen getötet worden sein.

Die Angriffe der türkischen Armee begannen am Sonntag. Unmittelbar zuvor hatten sich die letzten Kämpfer der kurdischen Volks- bzw. Frauenverteidungseinheiten (YPG bzw. YPJ) aus der Stadt zurückgezogen, heißt es in einer Erklärung des Militärrats von Manbidsch (MMC) von Montag. Der MMC ist eine lokale arabische Einheit der SDF. Der MMC-Sprecher Servan Darwish berichtete gegenüber ANHA, die türkischen Truppen hätten mit »Kampfflugzeugen, Panzern und Artillerie« angegriffen. »Viele unserer Positionen im Westen von Manbidsch wurden beschossen.«

Bei der Militäroperation sei nicht nur die türkische Armee im Einsatz gewesen, sondern auch »mit ihr verbundene Banden«, erklärte Darwisch. Doch die SDF hätten sie zurückdrängen können. Dem MMC-Sprecher zufolge wolle die Türkei Manbidsch sowie die gesamte Region besetzen. Er fügte hinzu, dass die YPG und die von den USA dominierte Anti-IS-Koalition geholfen hätten, 5.000 Kämpfer des MMC auszubilden. Nun erwarte man aber von der Koalition, dass sie der Türkei Einhalt gebiete.

Laut Internetseite Kurdish ­Question hat sich auch das Oberkommando der SDF am Dienstag an die internationale Anti-IS-Koalition mit der Forderung gewandt, sie müsse Ankara dazu bringen, die Angriffe unverzüglich einzustellen. Sollte dies nicht geschehen, wolle man die gemeinsame Offensive auf Rakka abbrechen und die rund 40.000 eingesetzten Kämpfer nach Manbidsch schicken, um die Region gegen die Angriffe der türkischen Armee und ihrer dschihadistischen Verbündeten zu verteidigen. Eine offizielle Reaktion der US-Allianz blieb bislang aus. Auch in der Nacht zu Donnerstag hielt das türkische Bombardement von Manbidsch an.

Parallel zu den Angriffen auf SDF-Einheiten habe die türkische Armee damit begonnen, eine Militärbasis in dem von ihr besetzen Gebiet in Nordsyrien zu bauen, berichtete ANHA am Dienstag. Das Camp soll sich in dem Dorf Abla nahe Akhtarin in der Asas-Region befinden. Bisher ist unklar, für wie viele Soldaten die Basis ausgelegt ist. ANHA meldete indes, allein vergangene Woche seien rund 90 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge in die Region verlegt worden.

Unterdessen nehmen die Aktivitäten des türkischen Militärs in der südosttürkischen Stadt Silopi zu. Laut Firat hat die Armee am Dienstag eine große Anzahl an Soldaten und Militärgerät in die an der Grenze zur Autonomen Region Kurdistan im Irak liegende Stadt verlegt. Es wird erwartet, dass die Einheiten in den nächsten Tagen in den Irak gebracht werden. Die Massierung der Soldaten geschah einen Tag vor dem Besuch des Premierministers der Kurdischen Regionalregierung, Necirvan Barzani, am Mittwoch in Istanbul.

https://www.jungewelt.de/2016/11-25/025.php

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